Wer genau profitiert eigentlich von barrierearmer Kommunikationstechnik? Was gibt es für inklusive Ideen und Konzepte, um mit vielen unterschiedlichen Menschen über Medien in Austausch und Kontakt zu kommen? Von wem kann eigentlich wer etwas Lernen, wenn es um Einfachheit, Barrierenüberwindung und Nutzerfreundlichkeit geht?

Einige Menschen sitzen in einem Raum an Tischen vor Computern und arbeiten daran. An der Wand steht das PIKSL Logo

Das PIKSL Labor in Düsseldorf – Foto mit freundlicher Genehmigung vom PIKSL Labor (nicht unter freier Lizenz)

Das Projekt PIKSL versucht, diese Fragen konkret zu beantworten. Für Menschen mit und ohne Behinderungen bietet das Projekt Handlungsräume und Möglichkeiten an, um durch innovative Ideen Inklusion zu verwirklichen. Eine ganz konkrete Räumlichkeit für diese Möglichkeiten befindet sich im Düsseldorfer Stadtteil Flingern: Das PIKSL Labor. Es ist ein offener Ort der Begegnung, welcher allen offen steht und in welchem mehrere Computer-Arbeitsplätze mit Internetzugang kostenfrei zur Verfügung stehen. Wir durften uns im März einen persönlichen Eindruck vom PIKSL Labor machen, welches auf den ersten Blick wie eine hippe Start-Up-Agentur anmutet.

Was wird dort also nun konkret gemacht?

Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung leiten Senioren-Computerkurse

Mehrere Teilnehmende des Seniorenkurses lassen sich von einer PIKSL Expertin etwas am Computer erklären

Der Seniorenkurs im PIKSL Labor – Foto mit freundlicher Genehmigung vom PIKSL Labor (nicht unter freier Lizenz)

Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung nutzen das offene Angebot regelmäßig. Im PIKSL Labor werden sie als Expertinnen und Experten in eigener Sache ernst genommen, unterstützt und sie übernehmen selbst Verantwortung: So bieten einige der Nutzerinnen und Nutzer inzwischen Computerkurse für interessierte Seniorinnen und Senioren an. Die Kurse sind niederschwellig angelegt und richten sich inhaltlich nach den Interessen und Bedürfnissen der Teilnehmenden. Zu Kursbeginn werden die Wünsche Aller gesammelt und das spätere Kursprogramm gemeinsam erstellt. In diesem Setting lernen Menschen mit und ohne Behinderungen voneinander. Bei einem der Kurse wurde das PIKSL Team vom WDR begleitet. Der Beitrag ist derzeit auf der PIKSL Startseite verlinkt.

Zu den weiteren Programmpunkten im PIKSL Labor zählen Retro-Game-Nächte sowie diverse Kurse zu Themen wie Office Anwendungen, Einkaufen im Internet, Fotografie mit dem Smartphone und vielem mehr. Man kann aber auch einfach auf einen Kaffee vorbeischauen. Die Räumlichkeiten des PIKSL Labors in Düsseldorf bieten einen offenen Ort der Begegnung. Jede interessierte Person kann das PIKSL Labor besuchen und die Computer und Gerätschaften, sowie den Ruhebereich nutzen. So entstehen aus der menschlichen Nähe heraus innovative Begegnungsmöglichkeiten im digitalen und im physischen Sinne.

Weiterhin versucht das PIKSL Labor, die professionelle Reduzierung von Komplexität als Dienstleistung bei der Produktentwicklung zu etablieren. Die Laborantinnen und Laboranten bieten Firmentrainings an, in denen in interdisziplinären und inklusiven Gruppen gemeinsam an Problem- und Fragestellungen in Bezug auf konkrete Produkte gearbeitet wird.

Das PIKSL Prinzip

Das Projekt PIKSL wurde von der Gesellschaft in der Gemeinde leben gGmbH (IGL) aus Düsseldorf mit dem Ziel ins Leben gerufen, moderne Informationstechnologie für Menschen mit geistiger Behinderung zugänglich zu machen.

Das Konzept des Labors und die Räumlichkeiten wurden gemeinsam mit den späteren Nutzerinnen und Nutzern entwickelt. So konnten vielfältige Ansprüche und Wünsche in das Setting dieses offen gestalteten Raumes integriert werden. Im PIKSL Labor wird soziale Vernetzung und interdisziplinäre Kommunikation ermöglicht.

Dem PIKSL Konzept liegt das Prinzip zugrunde, dass Menschen mit Behinderung einen Teil zur Lösung von Problemen leisten können und nicht selbst als Problem behandelt werden.

Besonders Menschen mit Behinderung sind täglich mit Hürden und Barrieren konfrontiert und müssen diese bewältigen. Sie sind also Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet, die uns am besten zeigen können, wie und wo Komplexität reduziert werden muss.

Unser Fazit

die Besuchergruppe vom Medialiteracylab lächelt gemeinsam mit dem PIKSL Team in die Kamera

Das Media Literacy Lab zu Besuch im PIKSL Labor – Foto mit freundlicher Genehmigung vom PIKSL Labor (nicht unter freier Lizenz)

„Nicht ohne uns über uns!“ – so lautet einer der Grundsätze von Inklusion. Dieses Motto wird im Projekt PIKSL und im PIKSL Labor durchgehend spürbar. In diesem offenen Raum wird neben dem inklusiven Charakter auch eine schöne Lernatmosphäre geschaffen, die uns als Team vom Media Literacy Lab beeindruckt hat. Das PIKSL Labor arbeitet an der Schnittstelle von Heil- und Medienpädagogik und ist ein beeindruckendes Beispiel für ressourcenorientiertes Denken, Lernen und Arbeiten. Bei PIKSL wird in inklusiven, offenen Settings von und miteinander gelernt und gelebt.

Das beachtliche dabei: Digitale Inklusion wird im PIKSL Labor greifbar. Neben Fragen zur Bedienung von Computerprogrammen geht es eben auch um Fragen der Selbstbestimmung, der Teilhabe und um das Etablieren von offenen Räumen.

Unser Tipp: Wenn ihr mal in Düsseldorf seid, schaut auf jeden Fall mal auf einen Kaffee vorbei! Die Wegbeschreibung zum PIKSL Labor findet ihr hier.

Vielen Dank an die PIKSL-Experten Elisabeth, Christoph und Demir sowie den PIKSL-Angestellten, die uns Rede und Antwort standen für alle unsere Fragen!

Links:

Dem PIKSL Team folgen: Twitter, Facebook
Wissenschaftlicher Forschungsbericht zum PIKSL Labor der Uni Siegen.

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel (Text) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Der Name der Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Judith Vitek und Matthias Andrasch für Media Literacy Lab (medialiteracylab.de). Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen. Datum der Erstellung: 04. April 2016.