Die Zeit auf Tagungen oder Konferenzen ist meist sehr knapp – wie kann man innerhalb von 90 Minuten Workshopzeit trotzdem kleine Filme produzieren und Teilnehmende mit einem Format wie Erklärvideos experimentieren lassen?

Wir haben es mit der Snapchat-App versucht: Auf der Tagung digilog16 haben wir in einem kurzen Workshop die App für die Produktion von Erklärvideos vorgestellt. Snapchat bietet mit dem Storymodus eine relativ einfach und schnelle Möglichkeit, Videos ohne den sonst nötigen Schritt Filmschnitt zu produzieren. Kurze Foto und Videosequenzen werden einfach hintereinander aufgenommen. Hier ein selbstproduziertes Erklärvideo für den Snapchat Storymodus, welches wir in ca. 10 Minuten aufgenommen haben (bei einer Szene fehlt der Ton, wir üben auch noch ;-)):

Das Ergebnis kann dann als Filmdatei auf den lokalen Smartphone- oder Tabletspeicher exportiert werden. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, die produzierten Inhalte ebenfalls auf Youtube zu veröffentlichen.

In der Runde diskutiert eine Frau während Matthias und Judith zuhören

Wie der Storymodus genau funktioniert, haben wir kurz im Workshop mit dem Beispielvideo erläutert und es dann die Teilnehmenden selbst ausprobieren lassen im Kontext eines selbstgewählten Themas.
Vorab haben wir das Thema Barrierefreiheit bzw. Barrierearmut bei Videos thematisiert und unsere Erfahrungen aus dem studentischen Projektentwurf “Jetzt kochst du” einfließen lassen, in welchem wir ein möglichst barrierearmes Kochvideo produzieren wollten.

Die hierfür genutzte Präsentation „Einfach kochen? Barrierefreie Erklärvideos mit Smartphones oder Tablets produzieren“ ist auf Google Präsentationen online verfügbar und kann sehr gerne für eigene Workshops genutzt werden (steht unter CC BY 4.0 Lizenz, einfach bei Google Präsentationen mit dem Befehl Datei -> Kopie erstellen duplizieren oder als Powerpoint / ODP herunterladen mit dem Befehl Datei -> Herunterladen):

Eine Link- und Materialliste findet sich hier: #digilog16 Linkliste zum Workshop Barrierefrei Erklärvideos

Matthias steht lachend in der Mitte und gibt ein Tablet an die Teilnehmenden, welche im Halbkreis sitzenDie Tablets werden ausgegeben – zur Freude der Teilnehmenden

Eine Gruppe diskutiert über die bevorstehende Aufgabe und eine Teilnehmerin hat ein Tablet in der Hand

Eine Arbeitsgruppe plant ihren Erklärfilm

Am Ende  der Session wurde alle Filme kurz vorgestellt von den Gruppen und auf dem Beamer abgespielt.

Vielen Dank an alle Teilnehmenden, die sich sogar an die schweren Themen wie Schnürsenkel binden herangewagt haben innerhalb der kurzen Zeit! Für das Thema Abseits im Fußball wurden sogar aufwendige Zeichnungen erstellt.

Fazit: Neue Apps für die Medienpädagogik?

Bezüglich des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte ergibt sich bei Snapchat natürlich ein Spannungsfeld: Alle Videosequenzen werden direkt an den Snapchat-Server übertragen, offline arbeiten im Storymodus funktioniert nicht. Alternative Apps für den pädagogischen Einsatz, die kurze Filme mit Effekten ohne Videoschnitt und ohne direktes Hochladen ermöglichen, wären unserer Ansicht nach eine große Bereicherung. Falls jemand bereits solche Apps kennt, gerne in den Kommentaren ergänzen!

PS: Bitte mehr Schüler*innen auf Tagungen einladen!

Sehr positiv in Erinnerung blieb uns übrigens, dass bei digilog16 auch Schüler*innen aus verschiedenen Altersstufen eingeladen wurden. Diese zeigten sich in ihrem Abschlussstatement vor allen Teilnehmenden am Ende der Veranstaltung positiv beeindruckt von den Inhalten, bspw. im Youtube-Workshop, in welchem die finanziellen Hintergründe und die Werbeanzeigen bei Youtube erklärt wurden. Schön war zudem, dass Schüler ganz ruhig und entspannt über ihr Hobby Computer- und Videospiele berichteten – was eine besondere Relevanz hatte, weil kurz zuvor Kriminologe Christian Pfeiffer einen sehr kritischen Vortrag zu Computerspielen und der Schulleistung hielt.

In dem Sinne: Bitte mehr Schüler*innen zu Tagungen einladen!

Fotos aus dem Workshop: Malteser Werke, K. Schiebel