Inklusion ist als wichtiges Schlagwort in der öffentlichen Debatte schon länger angekommen. Wir vom Media Literacy Lab stellen uns ebenfalls die Frage, wie Open Learning in einer inklusiven Gesellschaft umgesetzt werden kann.

Deshalb waren wir, Judith und Matthias im September auf dem Inklusionscamp in Hamburg. Dort haben sich Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen getroffen, um über inklusives Lernen und inklusives Leben zu reden sowie von- und miteinander zu lernen.Die Herausforderungen der Inklusion betreffen die ganze Gesellschaft und auch wir wollen in diesem Bereich dazulernen. Wir haben uns auf dem Barcamp besonders für die Sessions rund um digitale Inklusion interessiert. Hier kurz unsere zwei Lieblingssessions.

Session 1: Inklusion in den Medien:

Am besten gefiel mir die Session von Michael zum Thema Inklusion in den Medien. Anfangs wurde besprochen, was Inklusion für uns bedeutet. Von den Teilgeberinnen und Teilgebern genannt wurden zum Beispiel bedingungslose Teilhabe von Anfang an, miteinander Leben, respektvoll miteinander umgehen und Vielfalt. Aber auch das “nicht in Watte packen” von Menschen mit sogenannten Behinderungen ist ein unserer Meinung nach wichtiger Aspekt von Inklusion, der in der Session genannt wurde.

Hintergrund der Session ist die Beobachtung, dass Menschen mit sogenannter Behinderung in den Medien oft einseitig dargestellt werden. Die Seite leidmedien.de erklärt und diskutiert diese Thematik ausführlich. Michael sammelt einige Positivbeispiele aus den Medien über Behinderung: Die Sendung selbstbestimmt! vom MDR, in welcher wöchentlich verschiedene Themen rund um Behinderungen thematisiert wird; das Magazin Sehen statt Hören vom BR, alle Sendungen werden untertitelt und mit Gebärdensprache ausgestrahlt; oder die Sendungen 37 Grad , Menschen unter uns und Schau in meine Welt, in denen Menschen porträtiert werden, ohne dabei zu stigmatisieren.

Die Gruppe arbeitete heraus, dass es bei der Darstellung von Menschen mit sogenannten Behinderungen insbesondere wichtig ist, dass nicht die Behinderung im Fokus steht und nicht ohne ihr Mitwirken über sie berichtet wird. Den Humor dabei nicht zu verlieren findet Michael sehr wichtig – allerdings besteht ein schmaler Grad zwischen Humor und lustig machen. Sein Praxistipp: Immer und unbedingt mit den betroffenen Personen reden und diese mitentscheiden lassen.

Leider werden diese Sendungen meistens zu Randzeiten ausgestrahlt – also ganz spät abends, nachts oder Sonntag morgens um acht. Die Reichweite ist dementsprechend niedrig, es werden eher diejenigen Menschen erreicht, die sich sowieso für das Thema interessieren und die Sendungen aufzeichnen oder in der Mediathek gezielt danach suchen. Fernsehsender scheinen zur Primetime doch lieber andere Inhalte auszustrahlen. Die vielfältigen, inklusiven Inhalte sind also in der Fernsehwelt doch noch nicht ganz angekommen. Eine visuelle Dokumentation der Session findet ihr hier.

Session 2: #EdisLondon

Die zweite, sehr bewegende Session war „#EdisLondon“ von dem wunderbaren Edi und seiner Freundin Laura. Die zwei haben von ihrergemeinsamen Reise nach London berichtet und sich dabei an die Hürden und humorvollen Alltagsgeschehenisse im Leben eines taubblinden Menschen zurückerinnert. Laura übersetzt für Edi unsere Fragen in Lormen alleine dabei zuzusehen war eine tolle Erfahrung.

Uns hat auch die Kommunikation der Reiseerfahrungen über Twitter unter dem Hashtag #edislondon beeindruckt. Die Erlebnisse von Edi und Laura wurden für eine ganz neue potenzielle Zielgruppe zugänglich gemacht und auch weiterhin kann man auf Twitter nachlesen, wie die beiden London für sich entdeckt haben: Twitter-Suche nach #edislondon.

Dieses Beispiel verdeutlicht auch, wie einfach es mit Kommunikationsdiensten wie Twitter inzwischen möglich ist, auf besonderere Herausforderungen einer taubblinden Person aufmerksam zu machen und einen kleinen Einblick in den Alltag anderer Menschen zu bekommen.

Danke!

Wir danken allen Teilgeberinnen und Teilgebern unserer Session, in der wir zu barrierefreien Open Online Kursen und digitaler Inklusion gebrainstormed haben. Die Dokumentationen aller weiteren Sessions findet sich hier.